Backstage
2026
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Da hat einer ein Sachbuch mit 384 Seiten mit einer KI geschrieben, durch alle Fegefeuer – und nimmt es jetzt auseinander. „Backstage” ist kein Lehrbuch und keine Prompt-Sammlung, sondern ein Werkstattbericht: wie es wirklich gelaufen ist, von der ersten Idee bis zur Druckdatei, inklusive der Stellen, an denen es schiefging.
Der Markt ist voll mit „1.500 Prompts, die dein Buch schreiben” – dünne Ware, verkauft von Leuten, die nie eins fertig gemacht haben. Reitböck nennt sie beim Namen: Grifter. Und er kauft eines dieser Pakete für neun Euro, liest es durch und zählt nach. Von den versprochenen 1.500 Prompts sind es tatsächlich 2.448, davon 118 wortwörtliche Dubletten, 97 von 100 beginnen mit derselben Formel – und mitten im Kapitel über Mietverträge steht plötzlich das russische Zivilgesetzbuch. Ein Erfahrungsbericht als Beweisstück.
Dieses Buch macht das Gegenteil. Es verkauft keine Fertiglösungen, sondern beschreibt Mechanismen: Wie man mit einem KI-Agenten arbeitet statt in ein Chatfenster zu tippen. Wie man eine Steuerdatei anlegt, in der die Regeln des Buchs stehen. Wie man aus dem eigenen Text ein Schreibstil-Profil baut, forensisch, damit der Text nach dem Autor klingt und nicht nach Maschine. Wie man Belege prüft, statt sie zu glauben. Und wie am Ende aus Markdown eine druckfertige Datei wird – Satzspiegel, Register, Hurenkinder und Schusterjungen inklusive, weil Typografie ein eigenes Handwerk ist, das man nicht nebenbei mitnimmt.
Das Buch hat zwei Teile. Der erste erzählt, wie es gelaufen ist und warum so und nicht anders – die KI, die heimlich einen Tutor ins Konzept schmuggelte, die eigene Formel, einundsiebzigmal wiederholt, die Sitzungen, in denen widersprochen werden musste. Der zweite ist ein Cookbook: eine Strecke mit zwei Anfängen, einer gemeinsamen Mitte, zwei Enden – und einer Ausfahrt für alle, die am fertigen Manuskript aussteigen und den Satz jemand anderem überlassen wollen.
Und es gibt ein Kapitel, das in solchen Büchern selten steht: wann KI eine echte Scheiß-Idee ist. Beim Liebesbrief, beim Kondolenzschreiben, überall dort, wo ein Text davon lebt, dass einem etwas passiert ist. Die KI kennt die Wörter, die in der Nähe von Gefühl stehen. Die Wörter, nicht das Gefühl. Ein Kranz von der Tankstelle – sieht aus wie Anteilnahme, riecht nach Benzin.
Reitböck schreibt als Härtefall in eigener Sache. Jahrgang 1966, neurodivergent, seit 2011 der Vorsatz, ein Buch zu schreiben, und nie eines fertig. Ideen im Überfluss, nur nie in einer Reihenfolge. Das Werkzeug hat ihm nicht das Denken abgenommen, sondern den Zugang zu dem gegeben, was ohnehin schon da war. Sein Argument: Wenn es sogar ihn über die Ziellinie schleift, trägt es andere mit links. Genauso offen steht dort, was das Werkzeug nicht konnte – es hatte keine Idee.
Ein Buch übers Schreiben mit einer KI, geschrieben in einer Schreib-App, die der Autor mit derselben KI selbst gebaut hat, in einer Programmiersprache, die er vorher nicht beherrschte. Da schließt sich ein Kreis, und in ihm steckt die ganze These: Werkzeuge finden Muster. Menschen widersprechen.
Für alle, die mit einer KI mehr vorhaben als Stichwort rein, Text raus – Buchautoren, Blogger, Newsletter-Schreiber, alle, die regelmäßig liefern müssen. Der Fall ist ein Buch. Die Methode ist es nicht.