Die auf dem Rad tanzen
2026
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Ein übergewichtiges Kind, das nie lernte, wie Sport und Ernährung zusammenhängen. Ein Bodybuilder mit 132 Kilo, der irgendwann merkte, dass auch das nicht mehr trägt. Ein kaputtes Knie – und der Moment, in dem klar wurde: Mit Mitte vierzig ist man nicht fertig. Aus dieser Erfahrung heraus wurde Jürgen Reitböck zum ICG® Elite Instructor und Gründer von CYCLING@HOME. „Die auf dem Rad tanzen” erzählt, wie es dazu kam – und alles, was er auf diesem Weg über Indoor Cycling gelernt hat.
Angefangen hat es 2014, mit der ersten Indoor-Cycling-Ausbildung: Die Hälfte der Handbücher blieb unverständlich, der Stoff lag zerstückelt da. Reitböck hat sich vorgenommen, das Buch zu schreiben, das ihm damals gefehlt hätte. Zwölf Jahre später ist es fertig – entstanden aus einem wütenden Facebook-Beitrag über Alkohol auf einem Cycling-Event, gewachsen zu einer vollständigen Bestandsaufnahme des Handwerks.
Das Buch nähert sich dem Thema von mehreren Seiten. Es erklärt das Handwerk – vom richtigen Sattel über die Trittfrequenz bis zur sicheren Radeinstellung – ebenso wie die Trainingswissenschaft dahinter, verständlich aufbereitet und mit Quellen belegt. Es widmet der Musik ein eigenes Herzstück: wie ein Musikbogen aufgebaut ist, warum es die Große Eins gibt, was einen Break zur eigentlichen Kunstform im Indoor Cycling macht. Und es erzählt die Geschichte von CYCLING@HOME – wie aus einem Wohnzimmer während der Pandemie eine Bewegung wurde, die Tausende auf stationäre Räder brachte, mit einem improvisierten Smartphone-Stativ aus LEGO-Duplo als Anfang und einem roten Sessel als Markenzeichen.
Reitböck schreibt als “Indianer” – so nennt man die Instruktoren der ICG-Ausbildungslinie, in Abgrenzung zu Spinning® und Schwinn®. Die Geschichte und Rivalität dieser Lager, ihre teils widersprüchlichen Trittfrequenz-Vorgaben und Technikbegriffe, breitet das Buch offen aus, samt Zahlen zum Nachschlagen. Genauso offen spricht er über die Schattenseiten der Szene: Egos, die aufeinanderprallen, Kurse ohne Sicherheitskonzept, dokumentierte Vorfälle – und was ein Instructor tun muss, damit so etwas gar nicht erst passiert.
Das Buch richtet sich an alle, die mit Indoor Cycling zu tun haben: an Instruktoren, die ihr Handwerk vertiefen wollen, an Studios und Ausbilder, an Teilnehmer, die verstehen möchten, warum eine gute Stunde funktioniert – und an alle, die während der Pandemie bei CYCLING@HOME mitgefahren sind und wissen wollen, wie diese Geschichte wirklich begann. Kein Lehrbuch im klassischen Sinn, sondern ehrlich, persönlich und an vielen Stellen unbequem – bis hin zu den Kapiteln, in denen der Autor eigene Fehler benennt und korrigiert.
Wer verstehen will, warum man auf einem Rad, das sich nicht vom Fleck bewegt, tatsächlich tanzen kann, findet hier die Antwort: in der Musik, im Handwerk und in einer Community, die aus einem einzigen Wohnzimmer heraus entstanden ist.