Ein Wochenende
14. Juli 2026
„Mir reicht ein Wochenende Basic. Warum sollte ich zehn Ausbildungen machen?”
Faire Frage. Ich hätte sie früher selbst gestellt.
Also rechnen wir.
Bei ICG hast du auf dem Weg zum Elite Instructor rund zehn Ausbildungen hinter dir. Über Jahre. Basic, Pro, Premium in mehreren Modulen, Elite — mit Hausarbeit, mit Prüfung, mit Nachprüfung. Bei Spinning ist es strukturell dasselbe.
Ein Choreografie-System bildet an einem Wochenende aus. Eine Haus-Ausbildung in wenigen Tagen.
Das soll niemanden kränken. Es sind einfach Zahlen. Und aus den Zahlen folgt ein simpler Satz: Man kann nach einem Wochenende nicht dasselbe fachliche Niveau haben wie nach zehn Modulen. Nicht weil die Leute dümmer wären. Weil die Zeit nicht da war.
Wer etwas anderes behauptet, entwertet entweder die zehn Module oder überschätzt das Wochenende.
Warum überhaupt so ein Aufwand
Weil die Konsequenzen schlechter Technik unsichtbar sind, bis sie es nicht mehr sind.
Ein Teilnehmer, der dreimal die Woche im falschen Sattel sitzt, merkt das nicht im Kurs. Er merkt es nach sechs Monaten. Wenn das Knie nicht mehr mitspielt. Oder der Rücken. Oder beides.
Deshalb gibt es Ausbildungssysteme. Nicht als Bürokratie. Als Schutz.
Die zweite Rechnung geht vor Gericht
Im Buch stehen drei Gerichtsfälle. Drei Frauen, drei erste Kursbesuche. Eine mit Rhabdomyolyse — dem medizinischen Notfall, der im Kurs entsteht. Eine mit ausgerenktem Knöchel. Eine mit fünfzig Klammern.
Alle drei aus demselben Ausbildungstyp.
Das ist keine Interpretation von mir. Das ist Aktenlage. Welcher Typ das ist und wie die drei Geschichten ausgehen, steht im Buch — samt der Frage, die man sich danach nicht mehr wegdenken kann.
Denn es gibt Formate, die auf sechzig Minuten angelegt sind — und in denen nach etwa fünfundvierzig Minuten die Einsteiger verabschiedet werden, während die Trainierten noch einen Block obendrauf bekommen.
Dazu stelle ich genau eine Frage: Wo ist das Cool-down für die, die gerade gegangen sind?
Was passiert, wenn ein Mensch mit hoher Herzfrequenz abrupt vom Rad steigt, kann jeder nachlesen. Die Beinmuskulatur hört auf zu pumpen, das Blut versackt, der Kreislauf bricht kurz ein. Schwindel. Im schlechteren Fall mehr. Ein Format, das Einsteiger mitten aus der Belastung in die Umkleide schickt, hat das Cool-down nicht vergessen. Es hat es wegdefiniert.
Was die Ausbildung kann — und was nicht
Und jetzt der Teil, an dem ich mich selbst bremse, bevor es klingt, als wäre viel Ausbildung automatisch guter Kurs.
Eine ICG-Ausbildung lehrt das System. Die Techniken, die Kursformate, die physiologischen Grundlagen. Das ist viel.
Was sie nicht lehrt: Persönlichkeit. Timing. Die Fähigkeit, eine Gruppe zu lesen und im richtigen Moment das Richtige zu sagen.
Das kommt mit Stunden. Mit schlechten Kursen, aus denen man lernt. Mit guten, die man sich merkt. Das Buch ist kein Ersatz für die Ausbildung, und die Ausbildung ist kein Ersatz für Erfahrung. Beides zusammen ergibt erst etwas Drittes.
Bleibt am Ende eine einzige Frage, die du dir stellen musst, bevor du dich für irgendeine Ausbildung entscheidest:
Willst du Stunden bauen — oder Stunden liefern?
Beides ist eine legitime Entscheidung. Nicht legitim ist, sich für das eine zu entscheiden und so zu tun, als hätte man das andere gemacht.
Warum das so ist, welche Ausbildungslinien es überhaupt gibt und wo ich richtig unbeliebt werde — das steht in Die auf dem Rad tanzen.